Mein Bekannter Michael B. ist sinngemäß der Meinung, dass man es als Trainer einfacher hat, wenn man selbst ein sehr guter Sportler ist oder war. Ich sehe das anders. Da er ins Coaching einsteigen will, muss er, seiner Meinung nach, sinngemäss "selbst was reissen", damit es einfach ist, sehr gute Sportler zu coachen.
Da erinnerte ich mich auch wieder an den Eintrag von Jörg Schneider. Jörg ist Michael hier schon einen großen Schritt voraus. Er hat bereits die Erfahrung, war als Junior spitze (und ist es heute als 40er auch noch....) und denkt schon aufgrund seines Berufes sehr analytisch und klar strukturiert.
Ist also ein Trainer, der selbst als Sportler sehr gut war, automatisch ein guter Trainer und hat es hier einfacher?
Kann sein, muss aber nicht. Ich denke nicht, dass sich die richtig guten Sportler selbst coachen, sollte also eine Ausnahme sein. Die verlassen sich genauso wie der Hobbyläufer auf Trainingspläne. Von wem diese stammen, ist erstmal zweitrangig. Vielmehr müssen diese zum Sportler passen, das Training muss anschlagen und Verletzungen muss vorgebeugt werden - ja, Verletzungen müssen um jeden Preis vermieden werden!
Dabei erinnere ich mich auch an manchen Spruch von unserem Vereinstrainer Hans S.: "Natürlich kann ich dir auch einen Plan schreiben, mit welchem du innerhalb eines halben Jahres 9:00 über 3000 Meter laufen kannst. Danach wirst Du aber fertig sein. Ich möchte aber, dass ihr alle auch noch im Alter laufen könnt!"
Hans hat es, glaube ich, einmal geschafft, die 10km unter 40 Minuten zu absolvieren, mehr nicht - wenn ich seine sportliche Laufbahn mal darauf beschränken darf. ;-)
Ist aber egal, Wissen kann man sich aneignen und sieht dann ja auch im Eigenversuch, wie die ein oder andere Sache anschlägt, auch auf einem anderen Niveau.
Ich glaube auch, dass man erst einmal kleinere Brötchen backen sollte. Das geht dann über das Trainieren einer Anfängergruppe über talentierte Frauen (Erfolg ist hier schneller realisierbar) bis hin zum ein oder anderen überregional erfolgreichen Sportler. So kann man sich sicherlich am schnellsten als Trainer einen guten Namen machen - sofern man nicht in einem Verein hauptamtlich angestellt ist.
Schwierig wird es, weil man eigentlich von Anfang an Geld als Trainer verdienen möchte. Hier wird ein sehr langer Atem benötigt, ob sich das jemals auszahlt und man damit dann richtig Geld verdienen kann, wage ich zu bezweifeln.
Aber selbst erst etwas als Sportler "reissen" und dann als Trainer einsteigen und am Besten gleich fertige Sportler übernehmen..... na ich weiß nicht.
"Training" wird nicht neu erfunden werden können!
Letztendlich entscheiden Nuancen. Der Übergang von der Jugend ins Erwachsenenalter wird ausschlaggebend sein, die Besten kommen durch. Es sind die Besten, weil sie mit dem Rahmenbedinungen, mit den vielen Faktoren ausserhalb des eigentlichen Trainings am Besten zurecht kommen. Ganz nach dem Motto: survival of the fittest.
Aber erstmal geht es darum, dass man seinen Arsch erhebt und einfach mal Sport treibt. Da kann der Trainer noch so gut oder so schlecht sein. Der Antrieb hierzu muss von innen kommen.
Aber all diese Dinge sind unabhängig davon, ob der Trainer früher selbst ein erfolgreicher Sportler war.
3 Kommentare:
Da hast Du aber ein paar schwierige Fragen vor Weihnachten. Ich denke mal, dass dein Schlussplädoyer den Kern der Sache trifft.
Wenn der Sportler nicht unbedingt will und mitzieht, kann der Trainer noch so gut sein.
Ich wünsche Dir und deiner Familie ein besinnliches Weihnachtsfest. Hau essenstechnisch nicht so rein und drehe ab und an mal eine Runde in eurer wunderschönen Landschaft!
Gruß Gerd
Ich bin auch der Meinung, dass ein ehemals guter Sportler nicht unbedingt ein guter Trainer ist. Ein Trainer muss zusätzliche Fähigkeiten besitzen um aus einem Sportler oder gar aus einer Mannschaft das Optimum heraus zu holen, und dazu gehört nicht nur das Wissen wie man einen Trainingsplan schreibt usw. die Psychologischen Aspekte dürfen hier auf keinen Fall ausser Acht gelassen werden.
Ich denke, dass das ein Abendfüllendes Thema ist und wir Stundenlang darüber Debattieren könnten....
Viele Grüsse, Hugo
Eine interessante Frage, die sich auch mancher Sportler auf der Suche nach einem "guten" Trainer stellen sollte. Meiner Meinung nach ist es gerade beim Laufen einfach bis lächerlich, die rein körperlichen Faktoren richtig einzustellen. Erhält man dann noch regelmäßiges Feedback über die tatsächlichen Leistungen und Leistungsentwicklungen (ähnlich Vicsystem) und/oder begleitet den Trainingsprozess sportmedizinisch, kann da eigentlich nicht viel schief gehen.
Meine Erfahrung(!) sagt mir aber, dass ein guter Draht zu den betreuten Sportlern eigentlich das wichtigste ist. Und den kann man sich nur zum Teil (durch Beobachtung und Selbstreflexion) aneignen. Der andere Teil ist das Glück von Trainer und Sportler, einfach zusammen zu passen.
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