Freitag, 20. August 2010

Joe Friel: The Key to Athletic Success

Nachdem ich mich gestern durch den (neuen) Blog von Triathlon Trainer Joe Friel gelesen habe, sind ein paar Dinge hängen geblieben.
Er scheibt in seinem Artikel "The Key to Athletic Success", dass die Athleten zu häufig, zu lange und zu intensiv trainieren. Dies führe zu Übertraining, Burnout, Krankheit und Verletzung.
Für ihn sei wichtig, seinen Athleten beizubringen gemässigt/"moderat" zu trainieren - und dadurch beständig.

Genau hier steckt ein kleines, aber wertvolles Detail: Beständigkeit heisst das Zauberwort!
Ehrlich gesagt, liegt genau hier auch mein Problem. Im Großen und Ganzen habe ich die letzten beiden Jahre (bis eben Ende April - Weisheitszahn - Achillessehnenentzündung) beständig trainieren können. Halt, im Herbst 2009 hatte ich einen Durchhänger, Motivationsprobleme.
Resultierte dies aus einem zu häufigen und zu intensivem Training?
War es ein Ergebnis zu langer Einheiten?
Zu häufig...weiss ich nicht. Zu intensiv....nein! Aber wahrscheinlich die Kombination zwischen häufig und längeren Einheiten.... ja, das wird es gewesen sein. Leider sind meine Sporttracksdaten hopps gegangen und ich kann die Wochen vor dem Motivationstief nicht mehr analysieren.
Wenigstens hatte ich zurückblickend ausser ein paar "normalen" Zipperleins keine Verletzungen, die mich am Laufen hinderten.

Joe Friel glaubt, dass gewöhnlich der Grund für eine schlechte Leistung bei wichtigen Rennen ein "exzessives und unbeständiges" Training ist.
Wenn man häufig müde ist, wenn es Zeit ist eine qualitative Trainingseinheit durchzuführen, dann liege darin der Grund.

Sehe ich genauso. Wenn ich mich schon ins Training schleppen muss und ein Tempotraining nur durchziehen kann, weil "dies wenigstens schnell vorbeigeht", ich mich müde fühle und mich überhaupt nur schwer dazu aufraffen kann, dann läuft was falsch. Kommt dies desöfteren vor, sollte man vor diesem Qualitätstraining einen Tag pausieren, vielleicht auch mal zwei Tage die Beine hochlegen - das tut insbesondere auch dem Kopf gut!

Und wie konkret ändern?
Friel meint: mit gemässigtem Training!
An sich nichts Neues, man muss es aber verinnerlichen und keine Angst haben, dass man an Leistung einbüst, nur weil man die Anzahl der Einheiten von 7 auf 5 reduziert ;-)

Zum gemässigtem Training schreibt er: "... das bedeutet, dass man nur selten seine körperlichen Grenzen auslotet. Zu viele Athleten versuchen, die härtesten machbaren Einheiten zu häufig durchzuführen. Lange Einheiten sind vielfach zu lang und die Intensität ist oft zu hoch."

Auch wenn ich nach Vicsystem trainiere, bin ich mir bewusst, dass die Leute dort die Weisheit sicherlich auch nicht Löffeln gefressen haben.
Dennoch macht dieses "mathematische" Konzept für mich Sinn. Dadurch, dass man sich an einen vorgegebenen Trainingsplan hält, kommt man auch nicht in Versuchung, sich zu viele harte Einheiten aufzubürden und die Regenerationseinheiten dort sind wirklich regenerativ. Sogar so, dass ich bei der ein oder anderen Steigung immer mal wieder gehe, weil der Puls sonst ausserhalb der niedrigen Vorgaben hüpft.

Weiter schreibt Joe Friel, dass "das Maßhalten ein bewegliches Ziel ist. Da sich der Fitness Zustand verbessert, ist eine vor wenigen Wochen absolvierte harte Einheit dann eine "moderate"." Daher steige dieses Niveau auch innerhalb einer Saison an und durch die Beständigkeit steigt das Niveau des "gemässigten Trainings" auch von Saison zu Saison.
Wenn man richtig trainiere, erhöhe man auch die Leistungsfähigkeit langfristig ein Mehr an Training zu bewältigen. Was im vergangenen Jahr noch eine harte Einheit war, ist dieses Jahr eine moderate.

Soweit so klar.
Nun wird es jedoch ein klein wenig widersprüchlich. In einem anderen Beitrag schrieb er sinngemäß, dass man um jeden Preis Verletzungen vermeiden solle. Die 1-2 Tage Pause tun nicht weh und helfen wahrscheinlich dabei ein Wehwehchen abzustellen. Trainiert man ungeachtet weiter, sind vielleicht Wochen und Monate "im Arsch".
Das macht höchstwahrscheinlich Sinn, wobei mir da natürlich das SWR1 Leute heute Interview mit Faris Al-Sultan einfällt. Er meinte sinngemäß (wenn ich es noch richtig im Kopf habe), dass man nicht wegen jeder Kleinigkeit pausieren sollte, denn sonst kommt man ja überhaupt nicht mehr zum Trainieren...

Man muss sehr genau in seinen Körper hineinhören, aber wer kann das durch die Subjektivität richtig einschätzen? Genauso ist es mit der Tatsache, dass man "Schmerzen weglaufen kann". Oft hat sich das ein oder andere Zipperlein von selbst gelöst, bin halt einfach weitergelaufen.

Also, Joe Friel sagt also, dass Verletzungen auf jeden Fall zu vermeiden sind. Lieber pausieren als weiterlaufen.

Dann aber schreibt er im oben angesprochenen Eintrag:
Beständigkeit resultiert aus Mäßigung.
Beständiges Training bedeute, keine Einheit auszulassen - niemals.
Ausgefallene Einheiten sind das Ergebnis von zuvor "zu viel": zu große Intensität, zu lange Dauer, zu viele Einheiten und zu viel Kram im Leben (Nebensächlichkeiten?).

Wenn man gemässigt trainiert (und lebt!), dann wird man beständig sein. Wenn man beständig ist, wird man schneller laufen.
Es geht nicht darum wie hart die Einheiten sind. Es geht darum, wie beständig man diese absolviert.
Dies ist der Schlüssel zum Erfolg.

Für mich bedeutet das konkret, einfach mal eine Einheit ausfallen lassen wenn sich ein Zipperlein bemerkbar macht, grundsätzlich weniger Einheiten planen als zeitlich machbar, diese aber auch absolvieren. Und das Lauftraining mit Krafttraining und Radeinheiten ergänzen!
Danke, Joe Friel, für die vielen Denkanstösse in Deinem Blog! :-)

(Vielleicht denken einige: ach was, und darauf kommt er jetzt nach 20 Jahren? Na, das vielleicht nicht, aber ich reagiere emotional und subjektiv und mache Fehler. Dadurch, dass ich über diese Themen regelmässig lese und schreibe, rufe ich mir die elementaren Dinge einfach wieder ins Gedächtnis.)

6 Kommentare:

Laufhannes hat gesagt…

Danke für die "Lesearbeit", so kann ich mich mit deiner Zusammenfassung begnügen :-)

Und zu deiner Anmerkung, so geht es mir auch. Wie oft musste ich mir vor den Wettkämpfen sagen, dass ich langsam starten muss - irgendwann hat es gewirkt. Ich glaube, ich lese deinen Artikel lieber noch einmal :-D

Evchen hat gesagt…

Irgendwie erahne ich, daß ein wenig mehr "Gelassenheit" für Dich schlau wäre. ;-) Nein, jetzt denk` nicht wieder, alle sähen in Dir ein Ehrgeiztierchen, das ständig mit schmerzverzerrtem, gequältem Gesicht durch die Gegend rennt!
Aber so ab und an mal zu sagen: "scheiß drauf", schadet bestimmt nicht. Ich beginne allmählich zu glauben, daß meine Phasen der Motivation und Lustlosigkeit gar nicht so verkehrt sind, weil es weniger der Kopf, sondern der Körper ist, der sagt: mach mal einen Tritt weniger.

Gerd hat gesagt…

Ich denke man kann es einfach nicht pauschalieren. Ich fühle mich am wohlsten wenn ich gleichmäßig, regelmäßig und viel trainiere.
Aufpassen muss ich wenn ich einen kleinen Infekt habe oder nicht genügend Schlaf bekomme. Dann kann die Sache schnell umkippen.
Aber so langsam kriege ich den Boden raus was mir gut tut.
Man"n" wird mit der Zeit reifer! ;-)

Hugo hat gesagt…

Solche Gedanken habe ich mir auch schon gemacht und meiner Meinung nach trifft das den Nagel genau auf den Kopf.Regelmässiges Training ist bestimmt das wichtigste. Mit der Intensität der jeweiligen Trainings kann die Form dann entsprechend verbessert oder eben auch verbockt werden, hier liegt für mich der Hund begraben. Zu intensives Training führt unweigerlich zu Übermüdung und Verletzungen, leider bemerkt man das nicht sofort weil dieser Prozess schleichend vor sich geht. Optimal zu trainieren ist gar nicht so einfach *gruebel*

Andreas hat gesagt…

Ich gebe dir in deinen Schlussfolgerungen völlig recht: regelmäßig aber mäßig lautet die Devise! Natürlich ist nichts gegen eine wöchentliche Tempoeinheit einzuwenden, aber man sollte eher auf das Gefühl als auf den Trainingsplan hören.

ironman ironschroedi hat gesagt…

Bist du umgezogen oder warum finde ich hier keine Berichte mehr von dir?